Die Eulen kratzen den Gästen die Augen aus

(Foto: Rainer Justen)

1.Bundesliga
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Die meisten Handballfans haben sicherlich auf einen Auswärtssieg gewettet. Denn die Männer des SC DHfK Leipzig hatten in Ludwigshafen noch nie verloren und beispielsweise in der vergangenen Saison mit 35:21 Toren gewonnen.

Sie schienen sich außerdem durch die Heimsiege gegen Göppingen und Minden aus der sportlichen Krise geworfen zu haben, im Gegensatz zu den Gastgebern, die in der Bundesliga auf dem letzten Tabellenplatz rangieren und bei vielen Experten als erster Abstiegsanwärter gelten.

Obendrein waren die körperkulturellen Handballer am Sonntagnachmittag super in die Begegnung gestartet. Vorn wurden die ersten sieben Angriffe mit sieben Treffern aus dem Rückraum, vom Kreis beziehungsweise von den Außenpositionen abgeschlossen, und hinten hielt Milos Putera seinen Kasten weitgehend sauber. Der „Hexer“ parierte unter anderem zwei Siebenmeter des ansonsten sehr sicheren Jannik Hofmann. Prompt leuchtete ein souveränes 1:7 auf der Anzeigetafel auf. Die Grün-Weißen hätten die erste Viertelstunde mit der „Leichtigkeit des Seins“ umschreiben können.

Doch dann drehte allmählich das Geschehen. Erst ließen die grün-weißen Gäste zwei, drei, vier größere Chancen liegen, dann kamen technische Fehler und einige Lücken in der Deckung dazu. „Wir waren praktisch tot, hätten zur Halbzeit zehn Tore hinten liegen müssen“, schätzte Benjamin Matschke, der Trainer des krassen Außenseiters, ein. Doch durch die angesprochenen Fehler blieben die Gastgeber am Gegner mehr oder weniger dran. Die Seiten wurden bei einem relativ knappen 10:14 gewechselt.

Die folgende Viertelstunde wurde von den Gastgebern optimal genutzt. Benjamin Matschke ist eigentlich ein Bewunderer der Leipziger Mentalität, wie die Grün-Weißen schon verlorene Auseinandersetzungen noch mal drehen können, wie die Sachsen nach neuen Lösungen suchen, das imponiere ihn. Er appellierte in der Kabine an seine Mannschaft, das Gleiche zu schaffen, und rüttelte sie regelrecht wach. Außerdem animierte der Hallensprecher die 2026 Zuschauer in der Friedrich-Ebert-Halle, ebenfalls „noch eine Schippe“ draufzulegen.

So passierte es, dass plötzlich eine ganz andere Vertretung für die Gastgeber auf der Platte stand. Der eingewechselte Torwart Stefan Hanemann parierte gleich mehrere Würfe der Gäste, seine Vorderleute bekamen die grün-weißen Angreifer viel besser in den Griff und schließlich sorgte Jerome Müller für die erforderliche Gefährlichkeit nach vorn. Der Zugang aus der zweiten Bundesliga erzielte vier Treffer. 12:15, 13:16, 16:17, 17:18. Plötzlich waren die Eulen wieder dran.

Die Leipziger auf der Gegenseite schienen irgendwie in einem leistungshemmenden Trott gefangen zu sein. Im Angriff fehlten die zündenden Ideen, um die inzwischen zu einem regelrechten Bollwerk entwickelte Deckung der Gastgeber zu knacken. Es folgten technische Fehler und vergebene Chancen. Schließlich wurde ein Weitwurftor kassiert, als Milos Putera sein Tor für einen zusätzlichen Feldspieler verlassen hatte.

Die einheimischen Zuschauer feierten. Die Gastgeber hatten tatsächlich die Chance, den allerersten Saisonsieg zu erringen. Sie schafften es, das zwischenzeitliche 21:22 zu drehen und erzielten in den letzten acht Minuten des Bundesligaspiels fünf Treffer hintereinander. Daniel Hideg, Alexander Falk, Maximilian Haider, Stefan Salger per Freiwurf bei einem angezeigten Zeitspiel und nochmals Alexander Falk. Sie haben sich das abschließende 27:24 sowohl erkämpft als auch verdient.

André Haber (Trainer SC DHfK Leipzig): „Ich bin sehr enttäuscht, weil wir gegen die besten Teams der Liga in der Lage sind, sehr gute Spiele abzuliefern, aber in so einer Partie wie heute – trotz eines Traumstarts von 1:7 – überhaupt nicht gnadenlos sind. Das Spiel lag ganz fest in unserer Hand und die Niederlage war ganz allein unsere Schuld, das macht es umso bitterer. In der Schlussphase, als das Spiel entschieden wurde, hatten wir keinen Spieler, der das Heft in die Hand nehmen konnte. Die Situation ist für uns schwierig und wir haben schon in drei Tagen das nächste Spiel, aber manchmal ist es auch ein Vorteil, wenn man schnell etwas gutmachen kann.“

Benjamin Matschke (Trainer Die Eulen Ludwigshafen): „Ich denke, man hat die Felsbrocken gehört, die heute allen vom Herzen gefallen sind. Ich war in der Kabine noch nie so laut wie in dieser Halbzeitpause, weil die Art und Weise, wie wir das Spiel angefangen haben, war völlig inakzeptabel. Wir müssen uns noch bedanken, dass Leipzig nicht schon mit zehn Toren geführt hat. In der zweiten Halbzeit hat man dann gesehen, was möglich ist. Die Mannschaft ist das jüngste Team der Liga und braucht Emotion. Ich freue mich am meisten für die Mannschaft, dass sie heute die zwei Punkte geholt hat. Die Arbeit, die in Leipzig gemacht wird, schätze ich sehr und wünsche dem SC DHfK alles Gute für die nächsten Stepps.“

Die Eulen Ludwigshafen – SC DHfK Leipzig 27:24 (10:14)

Eulen Ludwigshafen: Hanemann, Lenz; Hanemann, Stüber 4, Salger 2, Falk 6, Scholz 5, Müller 4, Haider 2, Dietrich 1, Hideg 1, Hofmann 1/1, Bührer, Dippe 1

SC DHfK Leipzig: Putera, Villadsen; Semper 2, Wiesmach 1, Rojewski 1, Jurdzs, Krzikalla 2, Janke 4, Pieczkowski 3, Roscheck, Weber 6/3, Remke, Gebala (s. Foto) 3, Santos 2

Strafen: Eulen 10 Min, Leipzig 6 Min

Siebenmeter: Eulen 1/3, Leipzig 3/3

Zuschauer: 2026 Handballfans in der Friedrich-Ebert-Halle

Erstellt von Spielbericht: Leutzscher Welle

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